Meditation aus christlichen Wurzeln

Hinführung in die Kontemplation

Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten,
lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.

Gerhard Tersteegen

Gegenüberstellung:

Im Folgenden werden zwei der heute meistpraktizierten kontemplativen Gebetsformen vorgestellt: das Jesusgebet, auch Herzensgebet genannt, und das Centering Prayer. Das Jesusgebet ist in der Tradition der Ostkirche überliefert, während das Centering Prayer aus der französischen Mystik hervorgegangen ist und von Thomas Keating für den heutigen Kontext weiterentwickelt wurde. Beide Gebetsformen lassen sich auf frühchristliche Erfahrungen der sogenannten Wüstenväter und -mütter zurückführen und haben in den letzten Jahrzehnten weltweit neue Beachtung gefunden.

Beiden Gebetsweisen ist gemeinsam, dass sich die betende Person darin übt, sich in einer liebevoll wachen und nicht kontrollierenden Haltung auf die Gegenwart Gottes einzulassen.

Das Jesusgebet / Herzensgebet ist ein einfaches Atemgebet. Ein Gottesname oder ein kurzer Gebetssatz wird innerlich mit dem Atem verbunden. Klassisch lautet die Formulierung: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.“ Häufig wird sie im Gebetsvollzug auf „Jesus“ oder „Jesus Christus“ verkürzt; auch andere Wörter Gottesnamen sind möglich. Im Gebetsweg, wie er im Haus Gries gelehrt wird, dient zusätzlich ein körperlich wahrnehmbarer Reiz – etwa in den Handtellern oder im Herzraum – als Anker. Nach Ablenkungen wird die Aufmerksamkeit sanft zu diesem Ort zurückgeführt.

Im Centering Prayer übernimmt ein frei gewähltes Gebetswort diese Ankerfunktion. Es wird innerlich gesprochen und bringt die persönliche Absicht zum Ausdruck, sich Gottes Gegenwart und Gottes verborgenem Wirken zu öffnen. Während der Meditationszeit werden aufkommende Gedanken, Gefühle und auch körperliche Wahrnehmungen nicht weiterverfolgt, sondern freundlich losgelassen, indem man durch das Gebetswort zur stillen Präsenz zurückkehrt.

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Achtsamkeit

Achtsamkeit ist eine im gegenwärtigen Moment ruhende, nicht urteilende Form der Aufmerksamkeit. Sie richtet sich offen und freundlich auf das, was jetzt da ist – innerlich wie äußerlich.

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Kontemplative Haltung

Eine kontemplative Haltung ist Achtsamkeit plus eine im Glauben empfangene Offenheit für Gottes liebevolle Gegenwart. Dieses „Plus“ ist keine zusätzliche Anstrengung, sondern eine innere Ahnung oder Erwartung, dass Gott in allem gegenwärtig ist.

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Kontemplation

Kontemplation ist ein tiefes Ruhen im liebevollen „Schauen“ und „Angeschautwerden“ durch Gott. Sie ist mehr Sein als Sehen und wird von vielen als pure Präsenz oder als Verbunden-Sein beschrieben, das tiefer reicht als Gedanken und Gefühle. Kontemplation ist ein gegenstandsloses, wortloses und bildloses Sein mit Gott.

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Kontemplative Praxis

Kontemplation ist kein Zustand, den man selbst herstellen oder festhalten kann. Man kann sich ihr jedoch durch kontemplative Praktiken öffnen. Eine kontemplative Praxis ist eine Übung oder Gebetsform, in der man sich in achtsamer Haltung der Wirklichkeit und Gottes Immanenz in allen Dingen zuwendet.

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Kontemplative Lebenshaltung

Eine kontemplative Lebenshaltung wächst meist aus einer regelmäßigen kontemplativen Praxis. Ein kontemplativer Mensch findet leichter in eine präsente, wache Haltung – in der Natur, in Beziehungen, im Kontakt mit der eigenen Befindlichkeit, den Gedanken und Gefühlen. Manche Menschen bringen dafür von Natur aus eine besondere Veranlagung mit. Die meisten westlich geprägten Menschen jedoch sind durch Leistungsdenken, Reizüberflutung und Medienkonsum geprägt und dürfen ihre Wahrnehmung in der Meditation behutsam neu ausrichten und verwandeln lassen.

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Und was hat Neurowissenschaft damit zu tun?

Neurowissenschaftliche Forschung belegt inzwischen vielfältige positive Wirkungen kontemplativer Meditationsformen, etwa der Achtsamkeitsmeditation, auf Wahrnehmung, Emotionsregulation und Wohlbefinden.

Diese Präsenz ist so immens, und doch so demütig; Ehrfurchtgebietend und doch so sanft;
grenzenlos, und doch so intim, weich und persönlich.
Ich erkenne, dass ich gekannt bin.
Alles in meinem Leben ist transparent in dieser Gegenwart.
Sie weiß alles über mich – all meine Schwächen, meine Gebrochenheit, meine Sündhaftigkeit – und liebt mich doch unendlich. Diese Präsenz ist heilend, kräftigend, erfrischend – nur durch ihre Gegenwart. Sie richtet nicht, gibt sich selbst, sucht keine Belohnung, ist unerschöpflich mitfühlend. Es ist wie Heimkommen an einen Ort, den ich nie verlassen hätte sollen; Heimkommen zu einer Aufmerksamkeit, die irgendwie immer da war, die ich aber nicht erkannte…

Thomas Keating OCSO

Herzliche Einladung zu meinem Meditationskurs „Präsenz“

Ein vier bis sechswöchiger Kurs in einer Gruppe.
Tägliche Gebetszeiten zuhause von 15 bis 30 Minuten werden in wöchentlichen Gruppentreffen eingeübt.

Schon zum zehnten Mal im Rhein-Neckar-Kreis und online.
Termine für 2026 werden noch bekannt gegeben.

Bei Interesse an einem Online-Kurs bitte bei  melden.
Wenn 9 Personen zusammen sind, wird ein Termin dafür gesucht.

Mit „kontemplativ“ meine ich keine tiefe mystische Erfahrung, sondern vielmehr eine Form der Beziehung mit Gott, in der man wahrnehmen kann, wie Gott ist und was Gott tut, sich davon berühren lässt, wahrnimmt, wie man davon berührt wird, und aus dieser Wahrnehmung heraus Gott antwortet.

Brian P. Mc Dermott, SJ