
Schriftbetrachtung
…ich schaue zu und achte darauf, was das in mir auslöst…
Die ignatianische Schriftbetrachtung ist ein meditatives Schauen auf die inneren Bilder, die sich beim Lesen oder Hören eines Bibeltextes einstellen. Solche Bilder können oft tiefer berühren als eine rein verstandesmäßige Auseinandersetzung mit dem Text. Manchmal öffnet Gott dabei wie „durch die Hintertür“ einen Zugang zu einem persönlichen Lebensthema – jenseits theologischer Vorverständnisse. Hier findest du eine Auswahl von vier Bibelbetrachtungen zum Anhören.
Für eine Gebetszeit brauchst du etwa 20 Minuten an einem Ort, an dem du dich wohl, sicher und ungestört fühlst. Nimm eine aufrechte Haltung ein, in der du wach und aufmerksam bleiben kannst.
Markus 10,47-52
Matthäus 3,13-17
Markus 5,21-24 u. 35-43
Johannes 5,1-9
*Die Anleitungen stammen aus dem Projekt „Der Herzenskompass“. Ein Buch für innere Arbeit, mit mehr als 80 bewährten Bibeltexten in Audio-Anleitungen.
Hier findest du außerdem eine schriftliche Anleitung, die du mit jedem selbst gewählten Bibeltext nachvollziehen kannst.
Besonders geeignet sind kurze Szenen aus dem Neuen Testament, in denen Jesus Menschen begegnet.
Körperwahrnehmung zum Ankommen. Sie beruhigt, macht gegenwärtig und sensibel für das innere Geschehen:
• Ich sitze aufrecht – spüre meine Sitzfläche, meine Oberschenkel, die Flächen, an denen meine Füße den Boden berühren.
• Ich fühle mein Gewicht.
• „Ich lasse mich los, in Deine Hände, Gott, der Du mich trägst.“
• Ich fühle meinen Rücken – hoch bis in den Nackenbereich.
• Mein Scheitel ist zur Decke hin ausgerichtet.
• Ich spüre meine Arme und Hände.
• Ich verweile in meiner Atembewegung. Wie der Atem kommt und geht, so darf es sein. Ich fühle die Bewegung in Brustkorb und Bauchdecke.
• Ich nehme meine Gestimmtheit wahr. Ohne zu werten – so wie ich jetzt bin, darf ich sein. Ich muss nichts leisten.
• „Ich sitze in Deiner Gegenwart, Gott, in Deinem Licht.“
Schritte der Schriftbetrachtung
• Ich lese den Bibeltext langsam.
• Während des Lesens stelle ich mir die Handlung und die einzelnen Szenen bildlich und detailliert vor. Ich kann mich auch selbst als Beobachter oder Beteiligte*r in die Szene hineinversetzen.
• Ich folge den Bildern aufmerksam. Ich nehme wahr, was mich am meisten berührt oder anzieht. Dort verweile ich mit meiner Aufmerksamkeit. Ich verspüre und verkoste den Moment..
• Wenn eine Szene innerlich „ausgeschöpft“ ist, gehe ich zur nächsten über.
Nachklang
Nach der Betrachtung nehme ich mir einige Minuten Zeit, um das Erlebte nachklingen zu lassen und meine Eindrücke zu notieren: Was hat mich am meisten berührt? Was wurde mir wichtig?
Zum Abschluss spreche ich ein Gebet – vielleicht ein Dank, eine Bitte oder das Anvertrauen einer offenen Frage, einer Sorge oder einer Sehnsucht in Gottes Fürsorge.
Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch…